Religiöse Friedenswahrung und Friedensstiftung in Europa (1500-1800): Digitale Quellenedition frühneuzeitlicher Religionsfrieden

Pace di Cavour (5. Juni 1561)


Text

Pace di Cavour (5. Juni 1561)

1 [Seite: 282] Es ſolltensollten von Ih[rer]. Hoh[eit]. oͤffentlicheöffentliche AusſchreibenAusschreiben verfertigt
2werden /, vermoͤgvermög welcher dieſelbedieselbe jedermann zu wiſſenwissen macht /,
3daß er denen von den ThaͤlernThälern d'Angrogne /, Bobio /, Vil--
4laro
/, ValgvicchardValguicchard /, Rora /, Tagliaret /, von der StraſſenStrassen auf
5Bonet
1 /, ſoso la Tour benachbart /, S[ankt]t. Martin /, PeroſſePerosse /, Rocca--
6piata
a /, S[ankt]t. Bartholome /, und allen, ſoso ihnen beygeſtandenbeygestanden /,
7wegen des Fehlers /, ſoso ſiesie begangen /, indem ſiesie die Waffen wi--
8der ihre Hoheit ſoso wol als auch wider die abſonderlicheabsonderliche HerꝛenHerren
9 [Seite: 283] und Edelleute /, ſoso Ihr[er]. Hoheit LehentraͤgerLehenträger und in Dero
10Schutz und Schirm ſindsind /, ergriffen /, verziehen und ſiesie wider
11begnaͤdigtbegnädigt.

12[Art. 1] Es ſolltesollte denen von Angrogne /, Bobio /, Villaro /, Val--
13gviechard
Val--
13guiechard
/, Rore / (Gemeinen des Lucerner Thals) wie auch
14denen von Rodoret /, Marceli /, Mancillan und SalſaSalsa (Ge--
15meinden des Thals S[ankt]t. Martin) zugelaſſenzugelassen und vergoͤnſtigtvergönstigt
16ſeynseyn /, ihre VerſammlungenVersammlungen zu halten /, zu predigen und an--
17dere Ceremonien ihrer Religion zu verrichten an denen ge--
18woͤhnlichen
ge--
18wöhnlichen
Orten.

19[Art. 2] Auch ſollsoll denen zu Villaro /, einer LucerniſchenLucernischen Gemein /,
20nicht verwehret werden, ein gleiches zu thun /, jedoch nur ſoso
21lang /, bis ſeineseine Hoheit daſelbſtdaselbst eine VeſtungVestung auffuͤhrenaufführen laͤſſtlässt.
22Wann nun ſelbigeselbige VeſtungVestung daſelbſtdaselbst angelegt /, ſoso ſollsoll die Frey--
23heit, daſelbſtdaselbst zu predigen, ein End haben /, und in der gantzen
24umligenden Gegend kein WaldenſiſcherWaldensischer Gottes-DienſtGottes-Dienst ge--
25halten werden. Doch koͤnntenkönnten ſiesie ſichsich einen andern /, in der
26NaͤheNähe gelegenen /, Ort ausſehenaussehen /, abſonderlichabsonderlich gegen Bobio /, wo--
27hin ſiesie eine andere Kirche erbauen moͤchtenmöchten. Jedoch ſollsoll denen
28GeiſtlichenGeistlichen vergoͤnſtigtvergönstigt ſeynseyn /, die Krancke in gedachter Ge--
29gend um Villaro zu beſuchenbesuchen / und andere zu ihrem Gottes--
30Dienſt
Gottes--
30Dienst
benoͤtigtebenötigte Sachen zu verrichten;, nur daß alle Ver--
31ſammlungen
Ver--
31sammlungen
und Predigten dort herum unterlaſſenunterlassen wuͤr--
32den
wür--
32den
.

33[Art. 3] Zu Tagliaret /, auf der StraſſenStrassen von Bonet2 /, ſoso la Tour
34benachbart /, doͤrfftendörfften ſiesie gleichfalls an gewoͤhnlichengewöhnlichen Oertern
35ſichsich verſammelnversammeln und Predigt hoͤrenhören;, doch ſollesolle man ſichsich nicht
36unterſtehenunterstehen, in der andern Gegend und Grentzen von la Tour
37ſolchessolches zu verrichten.

38[Art. 4] Es ſollsoll aber denen Gliedern der ThaͤlerThäler / Lucern und
39S[ankt]t. Martin / nicht vergoͤnnetvergönnet ſeynseyn /, in die anligende GraͤntzenGräntzen
40ſichsich auszubreiten / oder in andern unter des Hertzogs Gewalt
41ſtehendenstehenden Flecken /, ſoso auſſerausser ihrem DiſtrictDistrict /, ſichsich zu verſammelnversammeln /
42und daſelbſtdaselbst zu predigen /, oder auch mit andern /, die nicht ih--
43res Glaubens /, zu diſputirendisputiren /, indem alle ihnen ertheilte Frey--
44 [Seite: 284] heiten ſichsich nur auf ihre LandſchafftenLandschafften erſtreckenerstrecken. Falls aber
45ſiesie wegen ihres Glaubens befragt wuͤrdenwürden /, moͤchtemöchte ihnen
46frey ſtehenstehen /, ihres Glaubens RechenſchafftRechenschafft zu geben /, und ſoll--
47ten
soll--
47ten
ſichsich deswegen keiner Straffe weder an Leben noch GuͤternGütern
48zu beſorgenbesorgen haben.

49[Art. 5] Denen Einwohnern der Pfarre PeroſſePerosse ſolltesollte ein glei--
50ches zugelaſſenzugelassen ſeynseyn /, welche fuͤrjetzofürjetzo wegen ihrer Religion
51fluͤchtigenflüchtigen Fuß geſetzetgesetzet /, und welche an einem Ort le Puis oder
52zum Brunnen
genannt /, ihre VerſammlungenVersammlungen /, Predigten
53und andere Ubungen ihres Glaubens angeſtelltangestellt;, ſoso daß ſiesie
54aber ja nicht in andere Oerter und GraͤntzenGräntzen gedachter Pfar--
55re ſichsich verfuͤgenverfügen.

56[Art. 6] Die aus der Pfarr Pinachia im Thal PeroſſePerosse /, ſoso gleich--
57falls fuͤrfür jetzo wegen der Religion in der Flucht /, ſollensollen gleiches
58Recht als die Obigen haben /, doch mit dieſemdiesem beygefuͤgtenbeygefügten Be--
59ding /, daß ſolchessolches nirgends anderſtanderst /, als an einem gewiſſengewissen
60Ort, Grand Diblone genannt /, geſchehegeschehe.

61[Art. 7] Die zu S[ank]t. Germain /, ſoso zum Thal PeroſſePerosse ingleichen
62gehoͤrengehören / und auch zu ſammtsammt denen andern wegen der Rel[igion].
63in der Flucht /, moͤgenmögen nebſtnebst denen zu Roccapiatta / nur einen
64GeiſtlichenGeistlichen halten /, welcher einen Tag an dem Ort zu S[ank]t.
65Germain
, genannt Adormilieur /, und den andern zu Rocca--
66piatta
an dem Ort Bardini / ſeinsein Predig-Amt verſehenversehen mag.

67[Art. 8] Allen denen /, ſoso ſichsich aus genennten StaͤdtleinStädtlein /, Flecken /
68und DoͤrffernDörffern / angezogener ThaͤlerThäler / auf die Flucht begeben /
69und fuͤrohinfürohin bey ihrer Religion zu verharren geſonnengesonnen /, ſollsoll
70ungehindert alles VerſprechensVersprechens und AbſchwoͤrungAbschwörung ihrer Re--
71ligion /, ſoso ſiesie waͤhrendenwährenden Kriegs gethan /, dannoch zugelaſſenzugelassen
72ſeynseyn /, wieder in ihr Vatterland und ThaͤlerThäler zu kehren /, denen
73Predigten /, ſoso von denen GeiſtlichenGeistlichen in obbezeichneten Oer--
74tern gehalten werden /, beyzuwohnen;, doch mit dieſemdiesem beyge--
75fuͤgten
beyge--
75fügten
Beding /, daß ſiesie ſichsich mit dem /, was ihnen zugelaſſenzugelassen /,
76begnuͤgenbegnügen / und nicht weiter um ſichsich zu greiffen unterſtehenunterstehen
77ſolltensollten.

78Weil auch viel WaldenſerWaldenser / auſſerhalbausserhalb denen Oertern,
79wo die Predigten zugelaſſenzugelassen /, wohnen / und dannoch der Kir--
80 [Seite: 285] chen-Beſuchung
Kir--
80 [Seite: 285] chen-Besuchung
und anderer Nothwendigkeit ihrer Reli--
81gion / nicht entbaͤhrenentbähren koͤnnenkönnen;, als vergoͤnntvergönnt der Hertzog de--
82nen auf ſelbigēselbigen GraͤntzenGräntzen wohnenden GeiſtlichenGeistlichen, ohne Gefahr
83ſiesie zu beſuchenbesuchen / und mit aller Nothdurfft zu verſehenversehen:, nur daß
84ſiesie ſichsich nicht geluͤſtengelüsten laſſenlassen /, daſelbſtdaselbst oͤffentlicheöffentliche Predigten oder
85verdaͤchtigeverdächtige VerſammlungenVersammlungen zu pflegen.

86[Art. 9] Es vergoͤnntvergönnt auch Seine Hoheit der Hertzog / aus ſon--
87derlicher
son--
87derlicher
Gnade / allen denen /, ſoso aus den ThaͤlernThälern von Meana
88und S[ank]t. Bartholome ausb der NachbarſchafftNachbarschafft Roccapiatac /
89fluͤchtigflüchtig / und in der WaldenſiſchenWaldensischen Lehre zu verharren wil--
90lens /, daß ſiesie ſichsich aller derer Begnadigungen /, ſoso die Andern ge--
91nieſſen
ge--
91niessen
/, auch zu getroͤſtengetrösten haben ſollensollen;, falls ſiesie alles zu beob--
92achten verſprechenversprechen /, was von dem Hertzog bedungen worden.

93[Art. 10] Allen vorgedacht- und benennten ThaͤlernThälern / und gefluͤch--
94teten
geflüch--
94teten
Unterthanen /, die in dem WaldenſiſchenWaldensischen Glauben zu
95ſterbensterben geſonnengesonnen /, wie auch denen von Roccapiata /, S[ank]t.
96Bartholome
und Meane /, ſollensollen alle eingezogene GuͤteꝛGüter wieder
97ausgeliefert werden /, die man ihnen wegen der Religion und
98des letzt vorgelauffnen /, nunmehꝛnunmehr aber geendigten Kriegs / ab--
99genommen. [Art. 11] Ingleichen iſtist ihnen vergoͤnntvergönnt /, ſichsich / durch den
100Weg der Rechten / alles Haußraths und Viehes von ihren
101Nachbarn wieder zu bemeiſternbemeistern; - wovon aber die Soldaten
102ausgenommen / - und ſollsoll es ihnen um den Preiß /, wie es ver--
103kaufft worden /, wider gerichtlich zugeſprochenzugesprochen / und uͤberlaſſenüberlassen
104werden; doch ſollsoll auch ihren Nachbarn erlaubt ſeynseyn /, eben--
105maͤſſiges
eben--
105mässiges
Rechts ſichsich wider ſiesie im gleichfoͤrmigengleichförmigen Fall zu be--
106dienen.

107[Art. 12] Es ſollensollen auch ihnen alle Freyheiten und Privilegien,
108ſoso wol allgemeine als abſonderlicheabsonderliche /, die ihnen von denen
109Hertzoglichen Vorfahren, als Seiner Hoheit ſelbſtselbst verliehen /,
110und von ihren andern EigenherꝛenEigenherren erkaufft worden;, ſoso viel ſiesie
111deren mit ſchriftlichenschriftlichen Urkunden belegen koͤnnenkönnen /, beſtaͤttigtbestättigt
112werden. [Art. 13] Gedachte Unterthanen ſollensollen mit aufrichtigen
113und gewiſſenhafftengewissenhafften Richtern und Amt-Leuten verſehenversehen
114werden /, die ſteifsteif und feſtfest uͤberüber der Gerechtigkeit halten / und
115 [Seite: 286] mit der That darlegen /, daß dieſediese Unterthanen ſoso wol als die
116andere in Piemont dem Gnaden-Schutz Seiner Hoheit em--
117pfohlen. [Art. 14] Denen Thalleuten ſollsoll auch obliegen ein Verzeich--
118nus der Namen und Zunahmen aller der jenigen /, ſoso wegen
119der Religion noch fluͤchtigflüchtig ſeynseyn /, ſoso wol der Meinaydigen als
120der Andern /, zu dem End /, daß ſiesie zuſammtzusammt ihren Familien
121und AngehoͤrigenAngehörigen wieder in den vorigen Stand geſetztgesetzt /, bey
122Haab und GuͤternGütern erhalten / und alle Gutthaten und Be--
123gnadigungen /, derer die andern Hertzoglichen Unterthanen
124faͤhigfähig /, mit genieſſengeniessen moͤgenmögen.

125[Art. 15] Weil auch niemand unbekannt und verborgen /, daß
126einem Printzen zugelaſſenzugelassen, in ſeinemseinem Land /, wo es ihm gefaͤlliggefällig /,
127VeſtungenVestungen aufzubauen /, ohne daß jemand ihm deswegen ein--
128zureden befuͤgtbefügt; doch damit der Hertzog die GemuͤterGemüter der Wal--
129denſer
Wal--
129denser
von allem Argwohn befreyen moͤgemöge /, hat der HeꝛtzogHertzog ſichsich
130erklaͤrterklärt /, in kurtzer und beſtimmterbestimmter Zeit eine VeſtungVestung zu Villaro
131zwar aufzurichten;, jedannoch die dazu erfoderende UnkoſtenUnkosten
132mit nichten von denen Unterthanen zu erpreſſenerpressen /, ſondernsondern es
133dem guten Willen ſeinerseiner Unterthanen /, was ihnen ſelbſtselbst bey--
134zutragen beliebig /, anheim zu ſtellenstellen. Wann aber dieſediese VeſtungVestung
135mit der HuͤlffeHülffe Gottes aufgefuͤhrtaufgeführt /, ſolltesollte ſiesie mit einem ſolchensolchen
136Gouverneur oder Capitain verſehenversehen werden /, der einig und
137allein auf den DienſtDienst ſeinesseines Hertzogs geflieſſengefliessen /, und nichts
138auf die Güter und Gewiſſens-FreyheitGewissens-Freyheit der Innwohner zu
139ſprechensprechen habe.

140[Art. 16] Denen Thalleuten wird auch zugeſtandenzugestanden /, daß, ehbevor
141ſiesie / die dem Hertzog nicht gefaͤlligegefällige GeiſtlicheGeistliche ihrer DienſtDienst ent--
142laſſen
ent--
142lassen
/, andere gewehlet werden / und die AbgeſchaffteAbgeschaffte ſoso lang
143verbleiben /, bis die andere die Stelle angetretten; nur ſolltensollten
144ſiesie ſichsich nicht geluͤſtengelüsten laſſenlassen, M.[agister] Martin von Pragela zu einem
145GeiſtlichenGeistlichen zu beruffen /, oder die AbgeſchaffteAbgeschaffte in andere PlaͤtzePlätze
146zu ſetzensetzen / und alſoalso nur zu verwechſelnverwechseln. [Art. 17] In allen Pfarren ge--
147dachter ThaͤlerThäler /, da man zu predigen befugt /, ſollsoll auch erlaubt
148ſeynseyn denen CatholiſchenCatholischen, die Meß / und anders nach den
149RoͤmiſchenRömischen Kirchen-GebraͤuchenKirchen-Gebräuchen zu halten; mit nichten aber
150die WaldenſerWaldenser in die Meß zu gehen / oder die GeiſtlicheGeistliche zu un--
151 [Seite: 287] terhalten gezwungen werden; hingegen aber ſolltensollten ſiesie auch
152nicht Macht haben /, wann jemand von den Ihrigen Belieben
153truͤgetrüge, ſichsich dabey einzufinden /, ſelbigenselbigen abzuhalten / oder auf
154einigerley Weiß davon zu verhindern.

155[Art. 18] Alle UnkoſtenUnkosten /, ſoso Se[ine]. Hoheit auf den Krieg wider ſiesie ver--
156wendet /, zuſammtzusammt denen 8000. Thalern /, ſoso die Thalleute im
157vergangenen Krieg verſprochenversprochen und annoch zu zahlen ſchul--
158dig
schul--
158dig
/, ſollensollen ihnen geschencket / und der deswegen aufgerichtete
159Vergleich vernichtet werden. [Art. 19] Alle Gefangene /, ſoso ſichsich bey de--
160nen Soldaten befaͤndenbefänden /, ſolltensollten freygelaſſenfreygelassen werden /, doch daß
161ſiesie zuvor nach ihrem VermoͤgenVermögen ein weniges LoͤßgeldLößgeld bezahlen;
162Und ſollsoll dieſediese LoßlaſſungLoßlassung und dabey ſichsich ereignende Schwuͤ--
163rigkeiten
Schwü--
163rigkeiten
dem AusſpruchAusspruch des Herrn von Raconis / und HerꝛnHerrn
164de la Trinite
/ heimgeſtelltheimgestellt werden. Auch ſollensollen wieder ihre
165Freyheiten erhalten /, und zwar ohne Bezahlung einiges Loͤß--
166Gelds
Löß--
166Gelds
/, die jenige /, ſoso nicht gebuͤhrlichgebührlich / oder auf Kriegs-Ma--
167nier /, ſondernsondern durch falſchefalsche Anklage / oder heimlich in Ver--
168hafft gekommen. Ingleichen moͤchtenmöchten alle Thalleute wieder
169ihrer Freyheit genieſſengeniessen /, die um der Religion / und nicht um
170anderer Ubelthaten halber / auf die Galeern geſchmiedetgeschmiedet wor--
171den.

172[Art. 20] Endlich ſolltesollte allen Thalleutene /, wie auch denen von Mea--
173ne
/, Roccapiataf /, und S[ank]t. Bartholome /, ſiesie moͤgenmögen ſeynseyn was
174Stands /, WuͤrdeWürde und BeſchaffenheitBeschaffenheit (ausgenommen die
175GeiſtlichenGeistlichen), frey und zugelaſſenzugelassen ſeynseyn /, mit denen andern Un--
176terthanen Seiner Hoheit zu handeln und zu wandeln /, uͤberüber
177hin und herreiſenherreisen /, zu kauffen und zu verkauffen /, auch aller--
178hand Kaufwahren zu verſchlieſſenverschliessen / an allen Enden und Or--
179ten /, die Seiner Hoheit zuſtaͤndigzuständig /, jedoch mit dieſemdiesem Vorbehalt /,
180daß ſiesie ſichsich nirgends unterſtehenunterstehen zu predigen /, Verſammlun--
181gen
Versammlun--
181gen
anzuſtellenanzustellen /, zu diſputierendisputieren /, wie ſchonschon oben gemeldet wor--
182den /, und daß ſiesie ſichsich auſſerhalbausserhalb ihren GraͤntzenGräntzen /, ſoso ihnen be--
183nennet worden /, nicht anderwaͤrtsanderwärts HaußſaͤſſigHaußsässig niederlaſſenniederlassen /
184und an andere Ort begeben. Wann ſiesie dieſemdiesem allen treulichſttreulichst
185und ohn gefaͤhrdegefährde nachkaͤmennachkämen /, ſolltensollten ſiesie weder an Leib und
186 [Seite: 288] Gut angefochten / oder im geringſtengeringsten das VerſprocheneVersprochene ge--
187kraͤncket
ge--
187kräncket
werden;, ſondernsondern unter des Hertzogs BeſchuͤtzenBeschützen /,
188gleich denen andern Unterthanen /, in ſuͤſſersüsser Ruh und Frieden
189bluͤhenblühen und leben. [Art. 21] Wie dann Seine Hoheit uͤberüber dieſesdieses alles
190Verordnung thun / und offentlich ausruffen wird /, daß nie--
191mand ſichsich ſolltesollte geluͤſtengelüsten laſſenlassen mit einiger UngebuͤhrUngebühr /, Un--
192rath / und boͤſenbösen Zuſamm-RottungenZusamm-Rottungen denen WaldenſernWaldensern bey
193hoher Straff belaͤſtigbelästigt zu fallen /, ſoso daß alſoalso die WaldenſerWaldenser, gleich
194denen andern Hertzoglichen Unterthanen, auf das friedſam--
195ſte
friedsam--
195ste
ihr Leben hinbringen koͤnnenkönnen.

196Zu FeſthaltungFesthaltung alles jetzt beſagtenbesagten, ſoso verſprechenversprechen Georg
197MuͤnſterMünster
/, Kirchen VorſteherVorsteher von Angrogne und Verordne--
198ter aus ſelbigenselbigen ThaͤlernThälern /, ConſtantzConstantz DialeſtiniDialestini /, ſonſtsonst Ram--
199bold genannt /, Kirchen-VorſteherKirchen-Vorsteher zu Villaro /, Peter Ardui--
200no
/, Abgeordneter von der Gemein zu Bobio /, Michael
201Raymondet
/, Abgeordneter von der Gemein zu Tagliaret /
202und von der StraſſenStrassen von Bonet an denen GraͤntzenGräntzen von la
203Tour
;, Jean Malanott /, Abgeordneter etlicher Privat-Per--
204ſonen
Privat-Per--
204sonen
von S[ank]t. Jean /, Peter PaſchalPaschal /, Abgeordneter der
205Gemein aus dem Thal S[ank]t. Martin /, Thomas Roman
206von S[ank]t. Germain /, Abgeordneter von der Gemein ſelbigesselbiges
207Orts und des gantzen Thals von PeroſſePerosse /, fuͤrfür ſichsich und ihre
208Gemeinden ins beſonderebesondere;, daß, was in dieſendiesen Articuln enthal--
209ten /, unzerbruͤchlichunzerbrüchlich ſolltesollte gehalten werdēwerden. Falls man aber dar--
210wider handeln wuͤrdewürde /, waͤrenwären ſiesie erboͤtigerbötig /, allen Straffen /, ſoso Se[ine].
211Hoheit
ihnen zuerkennen wuͤrdewürde /, ſichsich zu unterwerffen. Dar--
212neben thun ſiesie auch die ZuſagZusag / und verſprechenversprechen /, daß alle
213Hauß-VaͤtterHauß-Vätter der obgedachten ThaͤlerThäler hierein in alles verwil--
214ligen und zu halten menſchmoͤglichſtmenschmöglichst befleiſſigenbefleissigen ſolltensollten. Da--
215gegen verheißt der Herr von Raconis /, daß Se[ine]. Hoheit die--
216ſen
die--
216sen
Vergleich und alle dieſediese Articul insgemein und beſon--
217ders
beson--
217ders
/, durch Vorbitt der DurchleuchtigſtenDurchleuchtigsten PrinceſſinPrincessin, Se[iner].
218Gemahlin /, und aus ſonderlichersonderlicher Gnad bekraͤfftigenbekräfftigen und
219gutheiſſengutheissen ſollsoll. Zu deſſendessen BefeſtigungBefestigung hat vorgedachterg
220Herr Raconis dieſediese gegenwaͤrtigegegenwärtige Vertrags-Articul unter--
221zeichnet /, welches auch die GeiſtlicheGeistliche gedachter ThaͤlerThäler / und
222 [Seite: 289] die Andere, ſoso ſchreibenschreiben koͤnnenkönnen /, im Namen ihrer Gemein--
223den gethan. GeſchehenGeschehen zu Cavoursh, den 5. Junii des 1561.
224Jahrs.


225Philipp von Savoyen /,
226Herr von Raconis
.
227FranciſcusFranciscus Valla /, Prediger
228von Villaro.
229Claudius Bergius /, Pred[iger].
230von Tagliaret.
231Georg MuͤnſterMünster.
232Michael Raymondetto.


Textapparat

a Korrigiert aus: RoccacaſiataRoccacasiata.
b Korrigiert aus: auf.
c Korrigiert aus: Rocca capiata.
d Korrigiert aus: Rocca capiata.
e Korrigiert aus: Thallenten.
f Korrigiert aus: Roccacapiata.
g Korrigiert aus: vordedachter.
h Korrigiert aus: Caours.

Sachliche Anmerkungen

1 Ein Teil des Ortsnamens (Ruà) wurde ins Deutsche übersetzt.
2 Ein Teil des Ortsnamens (Ruà) wurde ins Deutsche übersetzt.

Emanuele Filiberto di Savoia , duca
weiterführende Informationen
Martin Tachard
Anm.: Reformierter Prediger Genfer Prägung, predigte in den französischen und italienischen Waldensertälern. An den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Waldensern und Herzog Emanuele Filiberto nahm er aktiv und erfolgreich teil. 1567 wurde er auf Grund seiner Verwicklung in die Revolte von Pamiers gehängt.
Filippo di Savoia-Racconigi
Anm.: Verwandter Herzog Emanuele Filibertos von Savoyen. Gest. 1581.
Giorgio Costa della Trinitá
Anm.: Herzoglicher Kriegsherr in den Waldensertälern 1560/61.
Giorgio Monasterio
Anm.: Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Pace di Cavour Bürgermeister von Angrogna
Constantio di Alesini
Anm.: Auch Rambaudo genannt. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Pace di Cavour Bürgermeister von Villar
PeronoArdiono
Anm.: Gesandter der Gemeinde Bobbio Pellice bei den Verhandlungen von Cavour 1561
Michel Raymondet
Anm.: Gesandter der Gemeinden Tagliaretto und Ruà bei den Verhandlungen von Cavour 1561
Giovanni Millanoto
Anm.: Gesandter von Einzelnpersonen der Gemeinde San Giovanni bei den Verhandlungen von Cavour 1561
Pietro Pascale
Anm.: Gesandter des San Martino Tals bei den Verhandlungen von Cavour 1561
Thoma Romano
Anm.: Gesandter der Gemeinde von San Germano Chisone und des Chisone Tals bei den Friedensverhandlungen in Cavour.
Marguerite de France , duchesse de Savoie et de Berry
weiterführende Informationen
Francisco Valle
Anm.: Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Pace di Cavour Prediger der Gemeinde von Villaro
Claudio Bergio
Anm.: Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Pace di Cavour Prediger der Gemeinde Tagliaretto
San Giovanni (heute Ortsteil der Gemeinde Luserna San Giovanni)
Germanasca, Tal (früher: San Martino, Tal)
weiterführende Informationen
Chisone, Tal (früher: Perosa, Tal)
weiterführende Informationen
Frankreich, Königreich
weiterführende Informationen
Berry, Herzogtum
Val Guichard (heute: Valle dei Carbonieri, gehört zur Gemeinde Bobbio Pellice und liegt südlich davon)
San Martino
Roccapiatta (existiert heute nicht mehr, es steht nur noch eine Kirche auf dem ehemaligen Ortsgebiet, das heute zur Gemeinde von Prarostino gehört)
Luserna, Tal (heute: Pellice, Tal)
Maniglia (heute nicht mehr selbständig, sondern in der Gemeinde Perrero aufgegangen)